Gelöste Stimmung.

Man sitzt eng gedrängt um den Tisch und lacht und scherzt. Fröhlichkeit herrscht ringsum. Ein Wort gibt das andere, es fallen Bemerkungen, die keiner krumm nimmt. Über 1000 Meter Höhe ist so ziemlich alles erlaubt. Ein Prost dem edlen Spender dieser Weinrunde.

Da - fast übertönt der Lärm das Geräusch.

Wer kommt noch so spät?

Die Tür öffnet sich. Leicht schwitzend tritt er ein.
Die anderen lachen, grüßen, trinken weiter. „Nimm dir ein Glas und setz dich!“ Ein Scherz läßt ihn lächeln.

Nur eine ist verstummt. Mit entsetzten Augen starrt sie den Eintretenden an. Nicht d e r ! !
Nach so langer Zeit sieht sie ihn wieder, kann nicht mehr fröhlich sein. Wenn e r ihr nun den schönen Abend verpatzt! Er darf sie nicht kennen! Warum mußte gerade e r heraufkommen?

Sie zwingt sich, mit den anderen zu plaudern, doch immer mehr zieht sie sich zurück in ihre Ecke. Jetzt setzt er sich auch noch neben sie, mustert sie verstohlen, merkt, wie sie schweigsamer wird.

„Woher kenn’ ich die bloß?“
Er fragt sie. Immer noch abweisend gibt sie ihm zur Antwort: „Vor sechs Jahren hier in dieser Hütte“.

Irgendetwas erinnert ihn. Er weiß nicht, was es ist, doch es gefällt ihm. Vorsichtig bemüht er sich um sie, versucht sie zum Lachen zu bringen. Sie weiß, wer er ist und kann sich seinem Charme doch nicht entziehen.

Der Abend zieht dahin.

Ein zögerndes Abtasten, ein verstohlener Blick. Das Interesse nimmt zu. Sie wehrt sich dagegen, so gut sie kann, findet ihn schließlich doch nett.

Bewusst wendet sie sich den anderen zu, aber sein Blick hält den ihren fest.

Es wird später. Die ersten gehen schlafen. Ein Schnaps zum Abschluss, ein zweiter, ein dritter. Hör auf, mir wird so warm!

Und immer der Gedanke: „Vor sechs Jahren ...!“

Wie anders war alles! Was für Geheimnisse umgeben beide?
Er versucht, in ihren Augen zu lesen.
Ein Funken springt auf, bringt sie zum Zittern.
Sie wehren sich. Aber wieder drängt es sie zueinander.

Plötzlich hält er sie umfangen, es gibt kein Zurück. Sie merken nicht, dass die anderen fort sind.
Nur sie beide.

Ein Spiel? Ein Scherz? Ein Abenteuer?

Er sucht nach Worten, die ihm plötzlich fehlen.

Sie steht und ist verstummt. Nur die Augen sprechen.
Warm hält er sie im Arm und lächelt. Nicht so wie damals, sondern reifer, lieber.
Sie zögert, dann lächelt auch sie.

Ein Traum begann.

Sie wissen, dass er bald zu Ende gehen wird und wollen es nicht wahrhaben.
Keiner wagt etwas zu sagen, den Zauber dieses Augenblickes zu brechen.
Die Zeit steht still - für wie lange?

Ein paar Stunden, ein paar Tage, sechs Jahre?

Aus Abneigung wurde Verlangen. Nur ein paar Jahre genügten, um beide wieder näher zu bringen, so nahe, dass sie alles vergaßen.

Sie waren erwachsen geworden. - Nach sechs Jahren!

Zwei Tage später ein Lächeln, Adieu! Und wieder trennen sich zwei, die nicht genug Zeit gehabt haben, sich besser kennen zu lernen. Einfach ein Gruß und Ade.

Jeder geht in eine andere Richtung --- für wie lange? Sechs Jahre?

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