Clubs ohne Damen 

Ausschnitt aus der Zeitung "Der Bergsteiger" zu obigem Thema. 

„...der extremen Sektion, die nur Männer und aktive Bergsteiger aufnimmt...“ 

Wieder einmal las ich diese Zeilen, die mir in der heutigen, an und für sich recht fortschrittlichen Zeit doch ein wenig verstaubt erscheinen. 

Früher - ich muß es ehrlich gestehen - erboste mich so eine Bemerkung. Heute kann ich voller Überzeugung darüber schmunzeln. Hatte ich doch auch einmal den Wunsch, zu einer extremen Sektion zu gehören, die härtere Bedingungen stellte als andere Vereine. Ja, ich ließ mich sogar mit einigen dieser „aktiven Bergsteiger“ und „echten Männer“ zu fruchtlosen Diskussionen ein, in der irrigen Meinung, es könnte tatsächlich handfeste Gründe dafür geben, uns Frauen auszuschließen. 

Wie bitter wurde ich jedoch enttäuscht! Man brachte mir nicht nur zart und behutsam (versteht sich, ich bin ja weiblichen Geschlechtes!) bei, ich solle mich zum Teufel scheren, sondern verweigerte mir jegliche Begründung --- Vielleicht, weil es keine gibt? 

Es verging einige Zeit, in der ich versuchte, diese ach so männliche Überlegenheit zu verdauen. 

Mein Kletterstil wurde allmählich besser, einfach, weil es mir großen Spaß machte, den oberen Schwierigkeitsgraden mehr und mehr gewachsen zu sein. Natürlich geriet ich dabei gerade in Bergsteigerkreisen immer wieder ins Kreuzfeuer verschiedenster Meinungen. Zwar hielten es manche „Extreme“ gar nicht für sinnvoll, mit einer Frau so ausgesprochene Männerthemen zu debattieren, aber es gab wie überall ein paar Tolerante unter ihnen, die unseren Wunsch, auch einmal schwer zu klettern, nicht ganz als abwegig erachten.  

Natürlich nicht mit ihnen! Auf die Frage, warum nicht, verlegenes Lächeln und Schulterzucken! Daß es schließlich solche unter den „Aktiven“ gab, die gerne mit mir kletterten, überraschte mich nur am Anfang. Denn langsam begann ich einzusehen, daß nur   d i e   so große Worte im Munde führten, die ganz einfach fürchteten, ihre wahre Männlichkeit würde durch die Aufnahme von Frauen ans Tageslicht treten, und - was noch viel schlimmer wäre - ihre eigenen Frauen könnten den Wunsch äußern, dabei sein zu wollen. Da uns eine solche Argumentation unverständlich ist, passen wir natürlich nicht dazu. Man braucht also erst den sog. „Tick“, um unter diesen „Extremen“ bestehen zu können! 

Bei Vorträgen in Bild und Ton läßt man Frauen gütigst teilnehmen. Da können wir die Helden dann auf der Leinwand und vor großem Publikum bewundern. Seltsam ist nur, daß da auf den Bildern hin und wieder Gestalten zu sehen sind, deren langes Haar und andere bemerkenswerte Details auf weibliche Wesen schließen lassen, Wesen, die noch dazu gar keine so schlechte Figur (rein technisch!) beim Klettern abgeben. 

Tja, klettern können manche Frauen ja ganz gut, aber deswegen aufnehmen? Nein! Und nachdem man sich, d. h. die extremen und aktiven Bergsteiger, nun mal seit Jahren derart festgelegt (oder festgefahren?) hat, kann man halt nicht mehr zurück! 

Ich glaube, es spricht für sich, daß wir nicht hergegangen sind und einen Verein gegründet haben, in den nur Frauen und aktive Bergsteigerinnen aufgenommen wurden. Zwar gibt es genügend weibliche Extreme, wie die Geschichte und mein Bekanntenkreis beweisen, doch kämen wir uns sicherlich überheblich vor, wenn wir - wie unsere männlichen „Kollegen“, (zum Glück ja nicht alle) - versuchen würden, die Leistung des anderen zu schmälern, nur um selbst besser dazustehen. 

Heute klettere ich mit Frauen, mit Männern oder allein, gerade so, wie es eben kommt. Glücklicherweise bin ich in der Lage zu führen - und nicht dankbar sein zu müssen, wenn man mich gnädigst mit nimmt. Dies enthebt mich wiederum der unangenehmen Situation, mich mit Leuten auf Diskussionen einzulassen, welche im Stil eines trotzigen Kindes auf jede Argumentation mit „ich will nicht, daß es so ist“ antworten. 

Echte Gründe gegen kletternde Frauen gibt es nicht. Oder? Ist es möglich, dass mir und den vielen extremeren, als ich es bin, diese Gründe bei den bisherigen Bergfahrten entgangen sind?


Fazit:

Dieser Artikel ist nun schon einige Jahre her und ich bin froh, dass sich die Zeiten geändert haben. Weibliche Extrem-Bergsteiger und Kletterinnen gibt es in der jüngeren Vergangenheit ohne Einschränkungen genügend. Ein Vorurteil eines Fernsehmoderators, wie es mir passierte "Die muss doch maskuline Hormone haben ...", würden heute nicht mehr ausgesprochen. Und das ist gut so!
Ein extremer Sport bleibt es trotzdem; es können nur solche Frauen genau so gut klettern wie ihre männlichen Kollegen, die auch genau so hart trainieren und Spaß daran haben.
Clubs ohne Damen - das gehört ebenfalls der Vergangenheit an oder ist als echter Männerclub so beabsichtigt.
Mit Können hat das nichts mehr zu tun.

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