So wie jeder einen Berg hat, an dem er immer wieder abblitzt, den er immer wieder berennt und von dem er immer schon im voraus weiß, daß er nicht bis zum Gipfel kommen wird, einfach, weil es nicht sein soll; so hat auch jeder einen Berg, zu dem er immer und immer wieder zurückkehrt, den er immer und immer wieder ersteigt. Eben den Lieblingsberg. 

Meiner heißt Saurüssel. 

Gerade der Name war es, der mich das erste Mal verleitete hinaufzusteigen. 

Als kleiner, freistehender Zacken behauptet er sich inmitten höherer, imposanter Berge. Die Namen der umstehenden Erhebungen kennt fast jeder im Tal, den Saurüssel dagegen nur wenige. 

Kein Wegweiser, kein Schild leitet einen auf der Suche nach dem richtigen Anstieg. Einsamkeit wird zum Begleiter.
Vielleicht trifft man unterwegs ein paar Waldarbeiter, die verwundert fragen, wo man denn hinmöchte. 

Mal das Knacken eines Zweiges, mal das Rauschen des Windes hoch im Geäst. 
Laute, nie gehört, nun überdeutlich.
Blumen, nie beachtet, nun farbiger, glänzender. 

Gedanken, denen man nun Zeit und Raum gewährt. 

Am Gipfel nichts besonderes.
Die Aussicht eher beengt, versperrt durch die umliegenden, öfter besuchten Riesen.
Dann Verwunderung: Ein Kreuz, ein großes Kreuz! 

Saurüssel! Nicht hoch, nicht bedeutend, nicht schwierig. Eigentlich ein ganz und gar uninteressanter Berg. 

Warum also zieht es mich dort hinauf? Immer und immer wieder?
Warum lässt der Name Saurüssel etwas in mir aufklingen?
Vielleicht, weil ich dort fand, wonach ich lange suchte?
Vielleicht, weil mir dort begegnete, wonach ich lange unterwegs war? 

Glück, Frieden, innere Ausgeglichenheit. 

Ein Tag, an dem ich mich selbst fand

Saurüssel - ein Name? Ein Berg?

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